Letzte Startnummer im Kitzbühel-Abfahrtstraining, es dämmert bereits. Der Helikopter ist an diesem Tag schon zweimal geflogen. Marco Büchel steht im Starthaus und will eigentlich nur eins: die Ski schultern und rauslaufen.
Er hat es nicht getan. Und genau das, sagt er rückblickend, war der fehlende Mut.
Beim 11. SportNexus-Lunch im Santa Lucia Teatro in Zürich erzählt er im Gespräch mit Jeff Baltermia (der von seinem «kleinen» Praktikum in den USA zurück ist): Runterfahren ist nicht die Mutprobe. Umkehren wäre sie. Wer oben die Ski schultert, muss danach Rechenschaft ablegen. Beim Sponsor, bei der Skifirma, vor der Öffentlichkeit. Also fuhr er. 20 Jahre lang, mit 140 km/h über blankes Eis, so gut wie nackt, in einem Helm, der jeden Sicherheitsstandard auslacht (seine Worte).
(Funfact: Erlaubt wäre auch die Montur eines Hockeyspielers. Aber eben – Aerodynamik und so …)
Statt umzukehren, hat er gelernt, mit der Angst zu verhandeln. Abstellen geht nicht. Nur leiser drehen: Ich höre dich. Du bewahrst mich vor dem Schlimmsten. Aber jetzt gerade ist ein schlechter Zeitpunkt.
Tage nach dem schweren Sturz von Daniel Albrecht stand er wieder oben. Tief in sich drin ein einziges Ziel: heil unten ankommen. Er wurde Zwölfter – und das Erste, was er im Ziel tat, war, sich selbst anzufluchen: «Hosenschisser».
Das zeigt seine eindrückliche Definition von Erfolg:
Erfolg ist die Schnittmenge aus heil und schnell.
Was mich gepackt hat: Die Ski geschultert hat er in seiner Karriere genau einmal. Beim Rücktritt. Die beste und die schlechteste Entscheidung seines Lebens, sagt er. Und heute? Fährt er eigentlich gar nicht mehr so gerne Ski.
Ein Leben lang identifizierst du dich als Sportler – und musst dann erst lernen, wer du sonst bist. Beim Skifahren gibt es keinen Seniorenclub: entweder am Limit und topfit, oder raus. Kenne ich aus eigener Erfahrung nach dem Spitzensport-Rücktritt. Die Frage nach dem eigenen Ich beschäftigt, und sie hallt nach (auch wenn es beim Handball durchaus Anschlusslösungen gibt).
Geheimtipp: Schau dir mal den Content von Marco an (Podcast oder TEDx-Talk). Super unterhaltsames Storytelling!
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